Rosenzeit…4

Guten Abend Herr? Flores,

es berührt mich seltsam, dass du mich siezt und gleichzeitig bittest, dich weiter zu duzen. Bedeutet es vielleicht, dass du dir mit dem Sie eine notwendige Distanz schaffst, gleichzeitig aber glaubst, dass für mich Nähe kein Problem darstellt? Oder betrachten Sie mich wie einen ungewöhnlichen Kunstgegenstand, den man nicht berühren darf, weil er zerbrechen könnte? Sie sehen, diese Frage setzt mir zu und beschäftigt mich.
Das war mein Eingangsstatement, jetzt aber zum Wesentlichen, zur Seele deines Briefes.
Ich lächle und sehe dabei kleine weiße Segelboote auf einer Wasserfontäne tanzen. Wieso nur verbinde ich dich immer mit der Farbe „Weiß“? Wie ein leeres Blatt Papier oder ein weißer Raum, den man in Gedanken füllen kann, womit man will, ohne dass es für Außenstehende sichtbar wird.
Interessante Vorstellung: ein weißer leerer Raum und dazu ein Nachtbuch mit sieben Siegeln, indem festgehalten ist, was am Tag den Raum ausschmückt.
Fragt sich nur, wer Zugang zum Schlüssel erhält. Noch besser: ein leerer Raum und ein leeres Buch; Besucher mit leeren Gesichtern, die hineinschreiben oder hinein malen, wie sie den Raum zu gestalten wünschen – Imaginationen – oder Musik, erdacht, um im Raum auf ganz eigene Weise zu klingen. Ich bin sicher, wer sich auf ein solches Experiment einlässt, geht mit bewegtem Gesicht.
Ach, ich bin schon wieder abgeschweift: Seele, Weiß, Du!Ich verstehe, wovon du sprichst, wenn du den verborgenen und nur zu bestimmten Zeiten geöffneten Zugang zu den inneren Gärten erwähnst. Ich kenne das Geheimnis, und freue mich, dass Sie die Tür zu einem meiner Rosengärten blind gefunden haben. Märchenhaft!

Endlich nach hundert Jahren gelang es einem jungen und mutigen Prinzen die Dornenhecke zu durchdringen, um das schlafende Dornröschen zu wecken, aber weder sein Alter und Geschlecht, noch der Mut und auch nicht das scharfe Schwert waren der Schlüssel, um hindurch zu gelangen
Nein, einzig – die Zeit war reif. Jeder beherzte Mensch wäre zu diesem Zeitpunkt ohne Kraftaufwand hindurch gegangen.Was wir sehen und was wir nicht sehen, alles ist da zur gleichen Zeit, und manchmal führt eine weiße Taube, die Krumen pickt uns auf den im Augenblick richtigen Weg. Was überhaupt ist Zeit, wenn doch alles zugleich da ist?Übrigens, sie haben wunderbare Rosenfotos für mich festgehalten.

Nachdenklich, Ihre Bela von Rosenhaag

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3 Gedanken zu “Rosenzeit…4

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