In den Gärten am Meer….2

Mit dem Wind davon getragen

Marie wusste nicht wie es geschehen war. In einem lichten Moment, in dem sie auftauchte wie aus der Ewigkeit einer tiefen, stillen und mondlosen Nacht, sah sie sich selbst ausgebreitet und weißgewandet auf einem seltsamen Bett. Da waren Kabel, die aus ihrem Körper heraus zu flackernden Monitoren führten. Sie spürte ihren Körper nicht. Die Augen der Frau auf der Liege waren geöffnet. Der leere Blick schien durch die Wände hindurch zu sehen. Vielleicht zum anderen Teil ihrer selbst, der von oben alles sah, auch dass Claire den Raum betrat und einen Duft nach Rosen, Sommer und Wind mitbrachte. Claire, die treue Freundin, die schon so lange, wie lange überhaupt, an ihrem Bett saß, ihre Hand nahm und mit einer Stimme erzählte, deren Worte sie nicht verstand, aber die sie in tiefen Schichten berührte, und ihr Wärme und Nähe schenkte. War es dieser scheinbar bewusst wahrgenommene Moment, indem ein starker Wind sie in seine Arme nahm und zu den Gärten jenseits der Meere trug? Wieder saß sie mit wehenden haaren auf der blauen Bank am Teich, lauschte den Möwen und roch das Meer. Seit dem letzten Mal musste Zeit vergangen sein, denn die Luft war warm und alle Rosen blühten. Der Apfelbaum trug tischtennisgroße grüne Früchte. Rote Johannisbeeren lockten und erinnerten an den Gelee den ihre Mutter früher im Sommer ihrer Kindheit aus ihnen bereitete, und der auf frischgebackenen Milchbrot so wunderbar schmeckte. Marie wollte nach ihnen greifen, aber bevor sie die Früchte berühren konnte, trug der Wind sie zurück in ihre traumlose Nacht.

2 Gedanken zu “In den Gärten am Meer….2

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